Die nachfolgenden Gedanken, die schon an einen Hilferuf erinnern, erreichte die Lernwirkstatt im März 2023. Die verfassende Person ist dem Team der Lernwirkstatt Inklusion bekannt; sie möchte nicht öffentlich genannt werden.

Ich hoffe wirklich, dass sich ganz bald etwas an unserem viel zu schlecht gealterten Schulsystem verändert. Sonst wird Deutschland weiterhin viele überragende Lehrkräfte verlieren, deren Herz für Bildung schlägt, die aber mit den engen Strukturen nicht zurechtkommen und auch nicht ihr Leben daran verlieren wollen. Die meisten gehen es ja im Referendariat schon ein, dass sie ihr Privatleben verlieren, und nehmen psychische Überlastung durch starke Aufs und Abs in Kauf. Nach dem Referendariat dürfen sie nicht selbst entscheiden, an welcher Schule sie landen. Ich bin überzeugt, dass Schulen aufblühen würden, wenn Lehrkräfte sich an die Schulen bewerben könnten, zu denen Sie passen. Diese und weitere Punkte habe ich nachfolgend unter der Überschrift „Was sich verändern sollte“ zusammengestellt.

Ausbildung: Studium und Referendariat

  • Bachelor-Master-System im Studium
  • Stabi, Schulrecht, usw. schon in der Uni als Prüfung –> Mündliche Prüfungen weitestgehend verlagern
  • Hausarbeit abschaffen, wir hatten genügend Hausarbeiten in der Uni
  • Benotung im Referendariat abschaffen

So kann der Fokus auf der professionellen Entwicklung der Lehrkräfte in Ihrer Praxis liegen (Entwicklungsgespräche, Coaching). Man arbeitet nicht auf EINE vermeintlich perfekte Stunde hin (=Lehrprobe), sondern hebt das allgemeine Niveau der alltäglichen Unterrichtsstunden. Das würde das Bildungssystem wirklich professionalisieren und nicht Lehrkräfte durch eine Note stigmatisieren und Ihr Selbstverständnis des Unterrichtens beeinflussen.

Das erste Halbjahr des Referendariats sollte man die Möglichkeit haben nur zu hospitieren und noch keinen eigenen Unterricht halten zu müssen. Nur so kann man sehen, wie Unterrichten laufen kann. Man braucht tiefere Einblicke in verschiedene Jahrgangsstufen. Gleich zu Beginn des Referendariats Verantwortung für so viele Klassen zu übernehmen, ist schlichtweg überfordernd und kann durch die mangelnden Einblicke in den Unterricht erfahrener Lehrkräfte auch nicht qualitativ hochwertig sein. Trotzdem versuchen die LAAs von Beginn an guten Unterricht zu halten, stoßen aber natürlich an Ihre Grenzen, was zu einer psychischen Überlastung führt.

Es würde helfen, wenn LAAs als Team mit einer erfahrenen Lehrkraft unterrichten dürften. So hätten sie einen Coach an Ihrer Seite. Das Gefühl allein gelassen zu sein, würde sich enorm verringern.

  • Mehr Gehalt im Referendariat, vor allem, weil man aktuell immer noch die Schulmaterialien aus eigener Tasche zahlen muss. Materialien sollten IMMER vom Staat übernommen werden und nicht nur von den Steuern abgesetzt werden können (Bildung ist Verantwortung des Staates und sollte nicht abhängig sein von dem finanziellen Engagement der Lehrkräfte!!!) –> Personal, das sich um Bestellungen des benötigten Materials kümmert
  • Mehr Wertschätzung für LAAs, z.B. durch Willkommenspakete mit Must-Haves für ihre Fächer, verschiedenen Büchern, Materialien zur Klassenführung
  • Anspruch auf Umzugsfirma für Klassenzimmerräumung und privaten Umzug aufgrund des Berufs (Versetzung, usw)

Allgemeine Entlastung der Lehrkräfte

  • Externe Unterstützung wie Verwaltungskräfte, die Lehrkräften Bürokratie abnehmen, Pausenaufsichten, sodass Lehrkräfte auch endlich mal Pausen machen dürfen (Anspruch auf eine gesetzliche Pause während der Arbeitszeit ist aktuell oft NICHT gegeben)
  • Team Teaching
  • Kleinere Klassen mit max. 20 Kindern
  • Flächendeckende Erneuerungen und Modernisierung der Schulen – Bildung entscheidet über unsere Zukunft
  • Wahl zwischen Einstellung als Beamte oder Angestellte attraktiver gestalten: Angestellte sollten viel mehr verdienen. Wenn Schulen dann weniger Lehrkräfte haben, weil sie nicht attraktiv genug sind, muss man die Situation an den jeweiligen Schulen zum Positiven verändern und nicht einfach Personal dort „hinzwingen“
  • Inklusion nicht nur auf dem Papier! Investition in Fachpersonal, Barrierefreiheit, professionelle Teams
  • Lehrkräfte können sich an Schulen bewerben. So entstehen Kollegien, die auf beruflicher und menschlicher Ebene zusammenpassen und harmonieren, das Wohlbefinden aller wird gesteigert und die Bildungsqualität erhöht sich.

Brennpunktschulen

  • LAAs an Brennpunktschulen oder in Brennpunktklassen sollten dauerhaft zusätzliche Unterstützung bekommen oder erst gar nicht solche Klassen in einer Prüfungssituation bekommen.
  • Mehr Gehalt für Lehrkräfte an Brennpunktschulen
  • Gerade an diesen Schulen wird die Chancenungleichheit durch Armut und in dem Einfluss des sozioökonomischen Status auf die Schulleistung deutlich. Armut unbürokratisch abfangen, kostenloses Essen für alle Kinder und Mitarbeitenden an Schulen (vor allem Frühstück)

Sonstiges

Bildungsminister*In sollte unbedingt etwas mit Schule zu tun haben!!!!!!!

Bitte weitersagen: